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Klöster sind Horte von Traditionen. Zu ihnen gehört in der Kapuzinerinnengemeinschaft St. Scholastika seit dem 18. Jahrhundert die „Ewige Anbetung“. Diese ist eine Tabernakelwache, die ursprünglich rund um die Uhr erfolgte. Stündlich lösten sich dabei die Schwestern ab. Ursprünglich hielten tagsüber zwei Schwestern diese Wache, nachts eine. Die „Ewige Anbetung“ ist eine intime Form der Gottesverehrung und der Liebe zu den Mitmenschen, deren Anliegen gerade hier innigst dem Herrn empfohlen werden. Aus personellen Gründen wird die „Ewige Anbetung“ heute in reduzierter Form weitergeführt.
Nach wie vor werden im Kloster St. Scholastika Hostien gebacken. Drei bis vier Schwestern sind damit beschäftigt. Über 200 Pfarreien in den Kantonen Appenzell, Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau und Zürich beziehen die Hostien aus Tübach. Nebst der Hostienbäckerei gibt es täglich weitere Arbeiten zu erledigen, sei es in der Küche, im Garten, in der Näherei und Wäscherei oder im Krankenzimmer. Die Arbeiten im Tübacher Kloster wechseln mit den Gebets- und Ruhezeiten ab. Alle drei folgen einem geregelten Tagesablauf. In diesem unterscheiden sich Samstag, Sonntag, Montag und die übrigen Wochentage nur gering. Die Mitglieder der Schwesterngemeinschaft erleben in diesem für Aussenstehende kaum gewichtigen Rhythmuswechsel bewusst den Ablauf des Kirchenjahrs.
Zu sechs verschiedenen Zeiten, verteilt zwischen Tagwache und Nachtruhe, wird gemeinsam gebetet. Dieses Stunden- oder Chorgebet wird bezeichnet mit Laudes, Terz, Sext, Lesehore, Non, Vesper und Komplet. Laudes, Terz Sext und Lesehore finden zwischen dem Aufstehen und dem Mittagessen statt, Non, Vesper und Komplet zwischen dem Mittagessen und der Nachtruhe. Das Stunden- oder Chorgebet nimmt in der Schwesterngemeinschaft einen wichtigen Platz im Tagesablauf ein. Nebst den gemeinsamen Stunden- oder Chorgebeten gibt es noch weitere Gebetsanlässe. Zu nennen wären der täglich gebetene Rosenkranz und die Betrachtung. Die Betrachtung ist eine Übung des stillen Nachsinnens über Gott oder ein auf ihn Bezug nehmendes Glaubenbekenntnis, ein betendes Sich-Einlassen auf das Wortgottes. Die Gestaltung der Betrachtung und der Ort, wo diese stattfindet (Betchor, Zelle oder Klostergarten), ist jeder Schwester freigestellt.
Zentral im Tagesgeschehen der Schwestern steht die Eucharistiefeier. Sie wird von den Klosterfrauen zusammen mit dem Beichtvater bzw. dem Spiritual begangen. Während der Eucharistiefeier und den gemeinsamen Gebetszeiten befinden sich die Tübacher Schwestern im Betchor, der rechtwinklig an den Chor der Klosterkirche anschliesst. Vom inneren Chor aus können sie durch grosse Rundbogenöffnungen in der linken Chorwand dem Gottesdienst folgen.